Wie in einem Museum

Kaum kommst du in Fonte Bertusi an, begrüsst dich ein riesiger, bunter Hahn in seinem Käfig. Und es ist wie die Begrüssung der Morgendämmerung.
Gehst du in den Landhof hinein, kann es dir passieren, dass du auf seltsame Objekte triffst, Begegnungen, witzig für manche, magisch oder künstlerisch für andere, und für wieder andere auch entspannend, weil sie an das Bewusstsein erinnert werden und die wahre Dimension des Menschen.

Nun ist klargeworden, dass die Verrückten, die diesen Ort Tag für Tag gestalten, zwei Künstler sind. Edoardo und sein Sohn Andrea. In all diesen Jahren voller phantasierender, künstlerischer Aktivität haben diese zwei eine unendliche Anzahl an Werken geschaffen, die heute über die ganze Welt verstreut sind… die liebsten Stücke aber sind hier geblieben, an den Wänden der Wohnungen. Und die sperrigeren Skulpturen und Installationen haben Plätze in den Gärten gefunden.
Es ist fabelhaft und magisch in Zimmern voller Kunstwerke, Bilder und Skulpturen zu schlafen, die dich in den weiten Räumen der Fantasie wandeln und dich von fantastischen und unnatürlichen Orten träumen lassen.
Auf jeden Fall haben sie alle eins gemeinsam: sich inmitten von so vielen Kunstwerken zu befinden, fühlt sich an wie im Museum. Im Haus!

Kunst im Garten

Erzählt von Jan – 8 Jahre – Holland

Wir sind gestern Morgen mit Mama und Papa in Amsterdam losgefahren. Das Auto war vollgestopft. Ich konnte meinen Roller nicht mitnehmen. Ich bin müde, mein Bruder und meine Schwester waren die ganze Reise über dicht neben mir. Wir haben an einem Ort angehalten, von dem ich den Namen nicht mehr weiss, aber ich weiss, er war auf halbem Weg, und heute sind wir in der Toskana angekommen. Mama hat uns Toast gemacht und dann sind wir sofort schlafen gegangen. Es ist 8 Uhr, wir sind schon eine Weile wach, Mama hat schon das Frühstück gemacht, Papa schläft noch. Wir hoffen, dass wir alleine rausgehen können… Ja! Meine Schwester hat schon ihren Badeanzug unter den Kleidern an, aber wir dürfen nicht ohne unsere Eltern baden, also gehen wir raus und erkunden die Gärten. Mein Bruder hat seine Fotokamera, ich habe meine Plastikpistole mitgenommen. Man weiss ja nie, auf was man treffen könnte!

Zwischen Blumen und Pflanzen begleiten uns zwei neugierige Katzen auf Schritt und Tritt. Sie sind so lustig! Sie rennen voraus und dann klettern sie auf zwei grosse Augen, die aus dem Boden herauskommen… ist da unten etwa ein Riese? Und vielleicht gehört diese grosse Steinschleuder ihm? Sie ist so gross! So hoch wie ein Haus. Wir machen weiter mit unseren Entdeckungen, bis wir den Hahn finden. Er ist in einem grossen Käfig, aber es gelingt mir, zwischen den Stäben hindurch zu schlüpfen. ”Guten Morgen Herr Hahn!”. Meine Schwester sieht einen riesigen Rechen, der an eine Laube gelehnt ist, gehört der nicht etwa dem Riesen, der unter der Erde schläft? Mein Bruder ist um die Ecke verschwunden und schaut ein Nest mit grossen Eiern aus Tonerde an. Und hier kommt ein Dach aus dem Boden, ist da ein Haus drunter? Ist es ein Haus, das versinkt, oder ein Haus das gerade auf die Welt kommt? Wer weiss!

Etwas weiter ist ein Fenster mitten im Garten. Gegenüber vom Tal. Sind wir drinnen oder draussen? Dann treffen wir auf eine Zypresse, sie ist hoch und scheint alt zu sein, und sie haben ihr einen schönen Pulli angezogen, damit sie sich nicht erkältet. Ich schaue hoch und sehe ein Fahrrad auf dem Dach, vielleicht hat es der Kaminfeger dort gelassen? Warum ist es auf dem Dach? Auf einem Erdhügel, wie auf einem kleinen Berg, ist ein Stuhl, darauf eine Kugel. Meine Schwester sagt, dass ist der Vollmond, der dort eine Pause macht und auf den richtigen Moment wartet, um wieder in den Himmel zu steigen. Mein Bruder kommt angerannt und sagt, er habe einen Drachen fotografiert, ”was sagst du?” ”hier”, er zeigt mir das Foto. Es ist wirklich ein Drache mit grossen roten Rädern, der diesen magischen Platz kontrolliert und bewacht. Meine Mama hat mir gesagt, dass all diese Dinge Kunstwerke sind. Wenn ich gross bin, will ich ein Künstler werden!